Airshows

Von der Fachausstellung zum Volksfest

Wenn man die Eindrücke der mittlerweile dritten MAKS verdaut, ist die Euphorie verflogen, der Sonnenbrand fast weg, und das rationale Denken beginnt.
Was fiel auf?

Aufgrund der bekannten Anschläge in letzter Zeit war dieses Jahr rund um das Testzentrum in Schukowski ein Riesenangebot an Polizei und Militär, sowie Sondertruppen (OMON) zusammengezogen worden. Auf der Hinfahrt (in typisch Russischem Privatauto) wurden wir denn auch 3x kontrolliert, am Eingang 2x regelrecht durchleuchtet, incl. Pass- und Taschenkontrolle.
Im Sinne der allgemeinen Sicherheit habe ich für mein Teil da vollstes Verständnis.
Nach Einlaß offenbarte sich leider das unvermeidliche: über hundertausend Besucher.
De MAKS ist nun keine reine Flugshow mehr, sondern Jahrmarkt, Freizeitpark mit Flugzeugen.
Etwas zu den Örtlichkeiten:
Das Testzentrum mit dem Namen „Schukowski“ nahe dem Orte Ramenskoje liegt ca. 25 km nordöstlich von Moskau. Das gesamte Ortsgelände und auch die benachbarten Orte gehören dieser „Einheit“ an, zu Sowjetzeiten war der Zutritt strengstens untersagt, heute ist man offener.

Im Nordwestlichen Teil, begrenzt durch die Moskwa liegen die Hallen und die Start- und Landebahnen, die Haupt SLB soll die längste befestigte der Welt sein. Hallen, Windkanalanlagen und wieder hallen schleißen sich an, was stehen hier noch für verborgene Schätze herum, für die jeder luftfahrtinteressierte ein halbes Vermögen geben würde, um nachzusehen.

Nach Eintritt wird erfahrungsgemäß das Static Display abgeschritten und abgelichtet.
Leider waren immer und überall Leute und die vielen Maschinen standen sehr eng.
Nun, wahre Neuheiten gab es nicht, lediglich der Zweite Prototyp des Kamow Ka-60 und die geupdatete Jak-52M fielen als „neu“ auf.
Suchoi glänzte mit bekannten Mustern wie Su-33, Su-30 und Su-27SK,
MiG mit MiG-AT, MiG-29MRCA und OWT, eine bedingt „schöne“ MiG-29SMT,
verschiedene Mil Werke hatten auch verschiedene Mil´s an Bord, so Mi-171Sch und Mi-35M, Kamow zeigte die bekannten Ka-50, 52, 60 und 229 (in Rettungsausführung)
.
Im Zivilbereich stellte sich die MAKS für Tupolew mit seinen Mustern Tu-204/214 und Tu-334 als erfolgreich heraus, erste Verkäufe wurden gemeldet.
Ob Iljuschin mit der Il-96-400 mehr Käufer als die Staatslinie Rossija haben wird ist zweifelhaft, ebenso die Zukunft der gestrechten Il-76MF.
Die Russisch/Ukrainische Transporterfrage ist immer noch nicht entscheiden, weiter macht sich Antonow mit der An-70 Hoffnungen.
An neue kleine An-140 Muster kann sich dagegen nach ersten Rückschlägen in sonnigem Verkaufslicht ausruhen.

In der Flugvorführung waren erstmals die Frecces, Patroille de France und als Fuchs unter Wölfen eine F-15 zu sehen.

Man kann ehrlich zugeben, dass hierdurch das Flight Display erheblich aufgewertet wurde und ein regelrechter Wettkampf stattfand.
An Russischen Luftfahrtmustern wurden die MiG-25PU, An-3, M-55, MiG-29K, Ka-50, 60 und 229, Su-27/30/33/47 gezeigt, um nur einige zu nennen.
Ansonsten viele kleine Änderungen an bekannten Mustern, amerikanische Flugzeuge im Static Dipslay (!), und die Erkenntnis, dass einiges Fehlte (so war MiG 1.44 war wieder nicht zu sehen). Fotos von Fliegenden Maschinen?
Die Fotoplätze an der SLB waren schnell belegt, denn dieses mal wurde ein Teil der Fläche von vornherein angesperrt. So waren gute Aufnahmen der Maschinen auf SLB Zufall.
Aufgrund einens Zufalls saß ich im abgesperrten Bereich und hatte netten Kontakt mit einem Wachoffizier (Bolschoje Spasiba, Dmitri!).

Bedingt durch tiefhängende Wolken startete das Flugprogramm spät und langsam,
wurde aber mit fortschreitender Zeit immer „besser“.
Als die „Russian Knights“ mit Ihren Suchois am Himmel erschienen, überschlug sich der Sprecher (für die englische Übersetzung war keine Zeit mehr) und die jubelnden Massen zeigten einen Nationalstolz, der diesem Volk, dass in den letzten Jahren viel zu viel Entbehrungen hinnehmen musste, nicht jederzeit zugetraut wurde.

Pünktlich zum Ende setzte wieder leichter Regen ein, aber den Eindruck einer sehr gelungenen Show konnte das nicht im Geringsten trüben.

Stellt sich die Frage: Was bleibt?
Für die Aussteller die Hoffnung/Realität, gute Geschäfte gemacht zu haben
Für die einheimischen Gäste ein schönes Wochenende und die Erkenntnis: man ist wer und kann Flugzeuge bauen Für die Taxis, Hotels und Transferbusse: Rekordumsätze
Für mich? Die Erinnerung an die dritte MAKS und der Vergleich und die Frage: komme ich wieder? Diese Frage werde ich mir 2004/05 beantworten..

(veröffentlicht: September 2003)