Airshows

90-40-15. Diese Zahlen waren der Grund für die größte Airshow auf dem europäischen Festland 2004.
Die Rede ist von der AIR'04 in Payerne in der Nähe von Fribourg, im französischsprachigen Teil der Schweiz.
Zu Feiern gab es 90 Jahre Schweizer Luftwaffe, 40 Jahre Patrouille Suisse und 15 Jahre PC-7 Team!
Kein Wunder also das es an Gratulanten bzw. Luftfahrzeugen aus aller Welt nicht mangelte. Die Tatsache das die Schweiz auf der Suche nach einem Nachfolger für die F-5E/F Tiger ist, sorgte dafür das fast alle Hersteller ihre neuesten Kampfflugzeuge in Payerne am Boden und in der Luft zeigten. Der Favorit vieler Schweizer ist die Rafale von Dassault, doch auch die Vorführungen des Eurofighter, der Gripen aus dem Hause Saab und der F/A-18F Super Hornet von Boeing begeisterten die Zuschauer. 275.000 besuchten die AIR'04 und sahen 67 Flugvorführungen in zwei Tagen. 2718 Menschen machten diese riesige Show möglich.

Die Geburtsstunde der Schweizer Fliegerkräfte geht zurück auf das Jahr 1914. Die Bedeutung von Luftüberlegenheit, Luftaufklärung und Erdkampf wurden während des Ersten Weltkrieges erkannt.

Kavallerie-Instruktor und Pilot Theodor Real wurde am 31.07.1914 mit der Aufstellung einer Fliegertruppe beauftragt.
Die ersten drei Flugzeuge wurden auf der Landesausstellung in Bern beschlagnahmt und bildeten zusammen mit den ersten neun Piloten den Grundstock.
Im Dezember 1914 zog die Truppe von Beundenfeld nach Dübendorf und konzentrierte sich auf die Ausbildung. Im Ersten Weltkrieg traten sie nur selten in Aktion.
1919 kamen weitere Plätze dazu, nämlich Thun und Lausanne, 1921 dann Payerne.
1921 Gründung von Fliegerrekruten-, Unteroffiziers-, und Offiziersschulen.
1924 Gründung des Fliegerärztlichen Instituts.
1930 Aufnahme der Erdkampftaktik in die Ausbildung. Mit der Stilllegung der Hunter-Flotte 1994 verschwand diese für's erste.
1934 Aufstellung des Fliegerbeobachtungs- und Meldedienstes.
1935 begann die Schweiz mit dem Aufbau einer Fliegerabwehr.
Oktober 1936 wurde die Fliegertruppe zur eigenen Waffengattung erklärt.
1938 Gründung der ersten Übermittlungsrekrutenschule.
28.08.1939 Mobilisierung der Schweizer Flieger- und Fliegerabwehrtruppen. Zu diesem Zeitpunkt verfügte die Schweiz über 86 Jagd- und 121 Erdkampf- und Beobachtungsflugzeuge.
1941 Aufstellung des Ueberwachungsgeschwaders
1943 nahm das Eidgenössische Flugzeugwerk in Emmen die Produktion auf. Geschützte Flugplatzanlagen entstanden in Alpnach, Meiringen, Turtmann. Der Fliegerschiessplatz Ebenfluh/Axalp wird in Betrieb genommen.
1946 begann mit der Vampire das Zeitalter der Düsenjets bei der Schweizer Luftwaffe
Die Eigenentwicklung von Kampfflugzeugen wurde 1958 eingestellt, nachdem sowohl das Projekt P-16 als auch die N-20 eingestellt worden waren.
1964 wurde deshalb die Mirage III beschafft. Die Beschaffung sorgte aufgrund massiver Kostenüberschreitungen für einen Skandal der sowohl die Politik als auch die Fliegertruppe erschütterte. Die Konsequenz war eine Neuorganisation. Die Truppe und die Verwaltung wurden voneinander getrennt.
1969 Aufstellung der Fallschirmaufklärer-Kompanie.
In den 70er und 80er Jahren wurde wie in vielen Ländern zu Zeiten des Kalten Krieges das Operieren von Autobahnen probiert. Premiere war am 16.09.1970 bei Oensingen.
1977 nehmen zum ersten Mal schweizerische Kampfflugzeuge an Schiessversuchen in Vidsel/Schweden teil.
Ab 1985 führt die Schweizer Luftwaffe Luftkampftraining von Sardinien aus durch. Seit 1991 geschieht das über der Nordsee von Großbritannien aus statt.
2002 findet die Operation FULCA 2002 (Fulcrum Campaign) in Dübendorf statt. Es ist das erste Mal das eine Staffel einer ausländischen Luftstreitkraft zu einer Luftkampfübung in der Schweiz weilt. Die Tatsache das es sich dabei um die Fabulous Fulcrums (1./JG73) mit ihren MiG-29 handelte, machte die Übung noch mehr zu etwas Besonderem. Bis zu 8 MiG-29 weilten für zwei Wochen in Dübendorf.
Im August 2003 revanchiert sich die Fliegerstaffel 11 und verlegt für zwei Wochen mit F/A-18 nach Laage bei Rostock im Nordosten Deutschlands.

Die Zukunft bringt einige Veränderungen und Einschnitte für die Schweizer Luftwaffe. Die Zahl der Flugplätze soll reduziert werden. Alpnach, Mollis und Dübendorf sollen geschlossen werden. Die F-5 haben Dübendorf am 16.Dezember 2004 bereits verlassen. Es verbleiben noch lediglich vier F/A-18 in Dübendorf die jedoch Ende 2005 ebenfalls abgezogen werden. Bis 2010 soll die F-5 Flotte bis auf ca. 20 Maschinen außer Dienst gestellt werden. Die verbleibenden Maschinen sollen der Patrouille Suisse und als Agressoren dienen. Die Tiger-Flotte wurde ohnehin schon verkleinert. 32 Maschinen wurden an die US Navy verkauft die damit ihre F-5 in den Agressorstaffeln ersetzt. 12 Maschinen werden von Österreich geleased um die durch die Außerdienststellung der Draken 2005 entstehende Lücke in der Luftverteidigung zu schließen bis 2007/8 die ersten Eurofighter eintreffen.
Die Schweiz selbst hat noch nicht über einen Nachfolgemuster für die F-5 entschieden. Mit einer Entscheidung ist nicht vor 2008/10 zu rechnen.

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Sieben Display-Teams zeigten ihr Können: Red Arrows (UK), Team 60 (Schweden), Frecce Tricolori (Italien), Team Breitling (Frankreich), Patrulla Aguila (Spanien) und natürlich die Geburtstagskinder Patrouille Suisse und das PC-7 Team aus der Schweiz. Lediglich die Patrouille der France fehlte. Diese war zum Zeitpunkt der AIR'04 auf einer Tournee durch China.

Aufgabe der Patrouille Suisse ist es die Leistungsfähigkeit, die Präzision und die Einsatzbereitschaft der Schweizer Luftwaffe zu demonstrieren. Die Piloten der Patrouille Suisse sind entweder Berufsmilitärpiloten beim Überwachungsgeschwader oder Flugverkehrsleiter bei der Schweizer Flugsicherung Skyguide. Das heißt also das sie die Aufgaben als Teammitglied bei der PS neben ihren eigentlichen Tätigkeit ausüben. Trotzdem bietet die PS stets eine präzise und professionelle Vorführung die denen der professionellen Kunstflugteams in nichts nachsteht, wenn gleich die PS jährlich nur etwa 12-16 Vorführungen absolviert. Ein Display dauert ca. 18 Minuten und wird durch den Kommandanten der PS vom Boden aus überwacht. Begleitet wird die Vorführung durch einen Kommentator. Davon gibt es deren zwei, einen für Auftritte im französischsprachigen Raum und einen für Auftritte im deutsch- und englischsprachigen Raum.
Gegründet wurde die Patrouille Suisse am 22.08.1964. Die Idee zu einem Display Team geht jedoch schon auf das Jahr 1959 zurück, als eine Formation bestehend aus vier Hawker Huntern Mk.58 für Vorführungen eingesetzt wurde. Angesichts der bevorstehenden Landesausstellung EXPO 64 und der Tatsache das die Schweizer Luftwaffe 50-jähriges Bestehen feierte, wurde das Training mit der Formation intensiviert und Auftritte im ganzen Land vor begeistertem Publikum durchgeführt. In diesem Zusammenhang entstand schnell der Name Patrouille Suisse in Anlehnung an die Patrouille de France. Die militärische Führung war ebenfalls angetan von der Publikumswirksamkeit und ernannte die Patrouille Suisse zum offiziellen nationalen Kunstflugteam.

1970 wurde die PS auf fünf Maschinen aufgestockt.

Auftritte im Ausland waren aufgrund der Neutralität der Schweiz tabu. Das änderte sich jedoch 1978 als die PS der Einladung der Patrouille de France (diese feierte ihren 25.Geburtstag) nach Salon-de-Provence/Frankreich folgte und dort ihren ersten Auftritt im Ausland absolvierte mit nun sechs Maschinen.

1991 bekamen die Hunter der PS anlässlich der 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft endlich einen farbenfrohen Anstrich. Die Unterseite der Maschinen wurde in den Schweizer Farben Rot und Weiss lackiert.

1994 war das letzte Jahr für die PS mit der Hawker Hunter.

1995 meldete sich die PS mit sechs F-5E Tiger zurück in der noch heute verwendeten attraktiven Komplettlackierung in Rot und Weiss. Diese Farbgebung wurde in einem Wettbewerb ermittelt.

1996 wurden die Maschinen mit einer Rauchanlage ausgestattet. Das hatte zwei entscheidende Vorteile. Der Showeffekt wurde gesteigert und die Piloten können sich früher sehen wenn sie aufeinander zufliegen.

Das PC-7 Team hat als Botschafter der Schweizer Luftwaffe die Aufgabe Dynamik, Eleganz und Präzision des Kunstfluges in Formation auf höchstem Niveau zu zeigen. Alle Mitglieder des Teams sind Berufspiloten die entweder auf der F/A-18 Hornet oder der Super Puma fliegen.
Ursprünglich wurde schon im Jahr 1987 eine Neuner-Formation PC-7 zusammengestellt. Diesem Team war jedoch nur ein Auftritt bei den Meisterschaften der Fliegertruppen 1987 in Dübendorf/CH vergönnt.
Anlässlich der 75-Jahr Feier der Schweizer Luftwaffe wurde das PC-7 Team neu aufgestellt. Unter Führung von Major Res Dubs (einem ehemaligen Patrouille Suisse Piloten) begann 1989 das Training und seit nunmehr 15 Jahren tritt das PC-7 Team auf Veranstaltungen in der Schweiz und seit 1992 auch im Ausland auf.
Bundesrat Ogi setzte sich 1998 für das Fortbestehens des Teams ein, nachdem ernsthaft über eine Auflösung zwecks Einsparungen nachgedacht wurde.
Die erste Vorführung im Ausland wurde in Avord/Frankreich absolviert, der erste Auftritt in Deutschland fand auf der ILA 1998 in Berlin Schönefeld statt. Eine Wiederholung gab es auf der ILA 2000.

Neben den Teams und den Jets der vierten Generation sahen die Zuschauer Vorführungen der Mirage 2000, F-16, F-15C, Fouga Magister, Harrier, Bo-105, A-129 und Vorbeiflüge diverser Klassiker wie der Hunter und der Breitling Super Constellation. F-15 Vorführungen gibt es in Europa nur selten zu sehen. Pilatus-Aircraft ließ es sich natürlich nicht nehmen ihr neuestes Flugzeug vorzuführen, die PC-21.

Im Static Display gab es fast alles zu sehen was die Schweizer Luftwaffe einsetzt bzw. eingesetzt hat, ergänzt durch einige selten gewordenen Muster wie der Draken, der Mirage IV und einer F-4E aus Griechenland. Die Mirage IV der französischen Luftwaffe (Armeé de l'Air) war zum letzten Mal in der Schweiz zu sehen. Im Juni 2005 werden die letzten Exemplare außer Dienst gestellt. Die Zeit der Draken in Österreich geht 2005 wie bereits erwähnt ebenfalls zu Ende.

Highlight der Show war jedoch die Patrouille der Patrouillen am Samstag. Die Red Arrows, Patrouille Suisse, Frecce Tricolori, Patrull Aguila und das Team 60 überflogen gemeinsam Payerne. Insgesamt 40 Jets plus eine F-5F der Schweizer Luftwaffe, die diesen historischen Moment aus der Luft dokumentierte, waren in der Luft!

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Saab Draken Österreich

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Agusta A129 aus Italien

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F-4E aus Griechenland

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Mirage III wird im Static Display bereit gestellt

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