Luftfahrtmuseen

38 km von Moskau entfernt liegt, in einem Wald entlang der Strasse nach Nishni Nowgorod das Museum der Luftstreitkräfte Russlands.Das Besondere an diesem Museum ist zum einen die große Masse der ausgestellten Exponate und deren Einzigartigkeit. Eines muss der interessierte Besucher aber immer wieder wissen und sich verinnerlichen - Es handelt sich hier nicht imeinen großen Freizeitpark mit Flugzeugen sondern um eine Ausstellung von Prototypen und Einsatzmaschinen, dargestellt immilitäreigenen Gebiet und unter Militärhoheit.

Ein Besuch ist daher nicht so ohne weiteres möglich, man muss sich schriftlich reichlich früh anmelden und ausweisen können.
Nach der Eingangskontrolle betritt man das Gebiet der Akademie der Luftstreitkräfte "Juri Gagarin", eine in sich geschlossene Militärsiedlung, von der man aber nicht viel sieht, da man vom hinteren Eingang das Gelände betritt.Hier befindet sich das Museum Monino, am Militärflugplatz Monino, der während des zweiten Weltkrieges weiß Bombenfliegerkräfte
beheimatete, so auch Il-4 Geschwader.
Im Jahre 1956 wurde der Platz geschlossen, da die Start- und Landebahn zu kurz wurde. Bis dahin wurde Monino als Reparatur- und Instandsetzungsplatz benutzt.
Erst 2 Jahre später, 1958, wurde beschlossen, das Gelände als Museum zu nutzen. Die schon fast verfallenen Hangars wurden rekonstruiert und eine Ausstellung zum "Großen Vaterländischen Krieg" eingerichtet.
Nach und nach landeten und fuhren viele Dutzend Luftfahrzeuge, Motoren und andere Stücke in die dann 1960 der Öffentlichkeit zugänglichen Ausstellung.
Offiziell als "Museum der Luftstreitkräfte der UdSSR" bezeichnete wurde es 1991 als "Museum der Luftstreitkräfte Russlands" umbenannt.

Große Probleme in den Jahren der Eröffnung entstanden bei der Beschaffung von historischen Maschinen.
Da es bis dahin keinerlei ähnliche Museen gab, mussten viele Exemplare von Ackern, aus Wäldern und aus Hangars geborgen werden und konnten erst nach jahrelanger Restauration ausgestellt werden. Einige Flugzeuge sind nur als Replicas vorhanden.

Das Personal in Monino stellt sich meist aus ehemaligen Aktiven zusammen, die hier Ihre Rente ein wenig aufbessern, aber immer eine schöne Story zu erzählen haben.
So ist der jeweilige Begleiter der Gruppe entweder immer Pilot einer der gezeigten Maschine, flog in Deutschland, weiß Hintergründiges über längst geschlossene Werke zu erzählen oder kannte den Bruder eines Bruders...
So wird die unvermeidliche Einführung in die plakative Ausstellung der ersten (noch nicht restaurierten) Hallen erstmal ein wenig zur 1 Mann Show von Sergeij, Aljoscha oder Wladimir..., aber wir sollten nicht vergessen, dass nur durch diese Männer das Museum überhaupt erhalten blieb und wir es besichtigen dürfen!

Über 3 Millionen Besucher fanden den Weg durch Monino bisher, nicht viel, in 45 Jahren bei ca. 200 Mio. Landesbevölkerung.
Es daher meist recht wenig über die Luftfahrzeuge bekannt, wenn dann ranken sich meist Mythen und es werden nachdenkliche Geschichten in den Umlauf gebracht.
Wenn wir den Zustand der Ausstellungsobjekte beurteilen (was uns ja nicht zusteht), sollten wir nicht den Blick auf ähnliche deutsche Museen verlieren. Das russische Wetter ist hart und unerbittlich, aber Stahl und Aluminium scheinbar auch...

Nun ein paar Fakten!
Momentan zählen ca. 135 Luftfahrzeuge, 14 Segler, 120 Motoren, und über 2500 Raketen, Bomben und Ausrüstungsgegenstände zum Inventar.
Wenig bekannt ist, dass in Monino die gesamte Aufzeichnung über den Luftkrieg von 1941-1945 lagert, über 1,5 Millionen Dokumente, die aber nicht zugänglich sind.
Die Ausstellung wird nun nach und nach restauriert, gerade hat auch das erste "Cafe" Einzug gehalten.
Trotzdem, es ist ein "Arbeitsbesuch", gewohnte Annehmlichkeiten wie Toilette, Souvenirshop und Taxistand waren im Jahre 2003 noch nicht anzutreffen.
Nachfolgend eine kleine Auszählung der Ausstellungsobjekte nach Epochen, diese Aufzählung erhebt nicht den Anspruch der Komplettheit!

Luftfahrt Ende des 19. Jahrhunderts und Anfänge im 20. Jahrhunderts.
- Flugzeug der Gebr. Wright (Modell)
- Bleriot (Modell)
- Ufimtsew ADU-4
- Grisodubow-1 (Modell)
- Imja Murometz (Nachbau)
- Voisin
- Sopwith
- Farman IV
Flugzeuge der 20er - 30er
- ANT-2, erstes Ganzmetallflugzeug in der SU, einzigstes erhaltenes Original
- ANT-4 / TB-1 (Modell 1:20)
- ANT-6 / TB-3 (Modell 1:25)
- ANT-25 (Kopie)
- ANT-40 / SB-2, ausgestelltes Flugzeug machte 1939 eine Notlandung im Uschkum Fluss, wurde 1979 geborgen und restauriert.
- DB-3 / Il-4, ausgestelltes Flugzeug wurde 1988 in der Ussurisk Taiga geborgen
- U-2 / Po-2,
- R-5 (?)
- I-16, Nachbau 1983
Flugzeuge des 2. Weltkrieges und Nachkriegspropellerflugzeuge
- MiG-3, Nachbau 1967
- Jak-9 U, Originalmaschine von 1944
- La-7, Originalmaschine von N. Koschedub, Farbgebung umstritten
- La-11, (Verkauf nach England, Flying Legends?) (*)
- Il-2, Verlust Oktober 1942, Bergung und Restaurierung 1977
- Il-10 M,
- Pe-2, ausgestellte Maschine wurde aus 3 Wracks restauriert.
- Tu-2, ausgestellte Maschine bis 1958 im Einsatz, aber Restaurierung 1975
- Tu-4, Einsatzmaschine von 1952, landete noch zu Zeiten des Reparaturwerkes, wurde erstes Ausstellungsobjekt.
- Il-12, 10 Jahre bis 1959 im Einsatz
- Il-14, ausgestellte Maschine von 1956 bis 1974 im Einsatz, über 35 000 Flugstunden!
- Li-2
- B-25
- A-20
- P-39
- An-2 (?), Einsatz 1959 - 1984, 15 084 Flugstunden, 26707 Landungen, 10 Reparaturen
- An-14
Jetflugzeuge, Turbinenflugzeuge
- BI-1, Nachbau
- MiG-9, Einsatzmaschine, 133 Flugstunden
- MiG-15 bisSch, Testflugzeug
- MiG-15 UTI, 874 Flugstunden
- MiG-17, Einsatzmaschine bis 1954, danach Trainingsmaschine der Akademie
- La-15, erster Prototyp, 20 Flugstunden
- Su-25, Testmaschine 1982-89, 622 Flugstunden
- Jak-17,
- Jak-23,
- Jak-25, Test- und Einsatzmaschine, 1956-72, 1592 Flugstunden
- Jak-25 RW, Testflugzeug, 233 Flugstunden
- Jak-36, Testflugzeug 1964-67, 270 Flüge,
- Jak-38, Test- und Einsatzflugzeug, 1975-58, danach bis 1989 in Schukowski
- Tu-16, Testflugzeug, ab 1967 in Schukowski, danach Monino
- Tu-104, Test- und Einsatzmaschine im 200. und 207 gem. Geschwader, 9851 Flugstunden
- Tu-95 B, Testmaschine 1956-59
- Tu-124
- Tu-114, Einsatzmaschine, 1957-1972, 794 Flugstunden
- Il-28, Test- und Einsatzmaschine 1954-65, Unfall 1958, 1296 Flugstunden, Landung in Monino
- Il-18, Einsatzmaschine, 13718 Flugstunden
- Il-62, Einsatzmaschine 1967-1981, 14891 Flugstunden, Landung in Monino
- 3M, Einsatzmaschine, 1961-1986, 4904 Flugstunden, Landung in Monino
- M-17, Testflugzeug Schukowski bis 1990, 187 Flüge
- Jak-40, Test- und Vorführflugzeug 1971-1981, 1428 Flugstunden
- Jak-42, Testflugzeug 1978-1981, 178 Flugstunden
- An-8, Einsatzmaschine 1959-1976, 3350 Flugstunden
- An-10 A, Einsatzmaschine, 16360 Flugstunden
- An-12, Testflugzeug 1964, danach Schukowski bis 1973
- An-24, Einsatzmaschine 1964-1979, 27444 Flugstunden
- An-22, Test- und Vorführflugzeug 1965-1988, (z.B. Ausstellung - Paris)
- Be-12, Einsatzmaschine, 809 Flugstunden
- Be-32,
Überschallflugzeuge
- MiG-19PM, Einsatzmaschine, 964 Flugstunden
- MiG-21 PFS, 284 Flugstunden
- MiG-21 I Analog, Testflugzeug, 200 Flugstunden
- MiG-21 bis,
- MiG-23, Testflugzeug Nr.1, 1967-1969, 178 Flugstunden
- MiG-23, Testflugzeug Nr.3, 1968-1973, 225 Flugstunden
- Mig-23 ML, russisch gekennzeichnetes Flugzeug mit englischsprachigen Wartungshinweisen, Export vorgesehen? (*)
- MiG-25, Testflugzeug Nr.1, 1967-1973, 197 Flugstunden
- MiG-25 R, (?)
- MiG-27,
- MiG-29, Testflugzeug bis 1986,
- Mig-29,
- MiG-31,
- MiG-31,
- MiG Buran Analog 105, Testflugzeug, 32 Flugstunden
- MiG E-166, Rekordflugzeug
- Su-7, Testflugzeug Schukowski bis 1968, 13 Flugstunden,
- Su-9, Testflugzeug 1959-1969 Schukowski, 30 Flugstunden (nur 1959/60)
- Su-7 B, Testflugzeug, 70 Flugstunden
- Su-7 L, Testflugzeug,
- Su-7 BKL, Einsatzmaschine 1965-66, nach Unfall Bodentrainingsflugzeug bis 1975
- Su-11, Einsatzmaschine, 1963-1973, 199 Flugstunden
- Su-15, Testflugzeug, 209 Flugstunden
- Su-17 M-3, Testflugzeug 1976-1979, danach bis 1989 in Schukowski, 200 Flugstunden
- Su T-100, Testflugzeug 1972-1975,
- Su-24, T-6 Testflugzeug
- Su-24, Testflugzeug 1974-76, 1976-1989 Schukowski, 98 Flugstunden
- Su-27, T-10-1, Testflugzeug,
- Su-35, Testflugzeug
- La-250, Testflugzeug 1958-1967 Schukowski, keine Flüge
- Jak-27 R, Einsatzmaschine 1963-1972, 420 Flugstunden
- Jak-28 L, Testflugzeug, 1962-1966, danach bis 1975 in Schukowski, 245 Flugstunden
- Jak-141, Testflugzeug OKB Jakowlew und Schukowski (ohne Triebwerke)
- Tu-22, Test- und Einsatzflugzeug, 1960-1977, 350 Flugstunden
- Tu-22 M0, Testflugzeug 1970-1975, danach bis 1989 Schukowski
- Tu-128, Prototyp und Einsatzflugzeug bis 1973, 398 Flugstunden
- Tu-144, Testmaschine, 582 Flugstunden
- M-50, Testmaschine vom OKB Mjasistschew geliefert, keine Innenausstattung und keine Triebwerke
Hubschrauber
- Mi-1, (?) Testmaschine 1953, Juri Gagarin Akademie 1953-1961, 63 Flugstunden
- Mi-4, Einsatzmaschine 1953-1965, 1386 Flugstunden
- Mi-6, Testmaschine 1963-1965, 1965 bis 1974 Schukowski, 96 Flugstunden
- Mi-6,
- Mi-6, Testmaschine Feuerlöschhubschrauber
- Mi-10 K, Einsatzmaschine 1968-1974, 92 Flugstunden
- Mi-8, Einsatzmaschine, auch in Schukowski, 232 Flugstunden
- Mi-2, Test- und Einsatzmschine 1967-1975, 220 Flugstunden
- Mi W-12, Prototyp (einer von dreien)
- Mi-24 A, Einsatzmaschine 1972-1984, 935 Flugstunden
- Mi-24 W, (*)
- Mi-26
- Mi-26
- Ka-15, (?) Einsatzmaschine 1959-1977, 1474 Flugstunden
- Ka-18 (?) Testmaschine 1956-1975
- Ka-25, Testmaschine, 314 Flugstunden
- Ka-26, Testmaschine
- Jak-24, Einsatzmaschine 1956-1958, 78 Flugstunden
Leichtflugzeuge, Trainer
- Burewestnik, 1927
- UT-2 (?)
- Jak-12 R, (?), 173 Flugstunden,
- Jak-11 (?), 709 Flugstunden
- Jak-18 (?), 2127 Flugstunden 1954-1958
- Jak-18U (?), 1059 Flugstunden
- Jak-18 PM, (?), Teilnehmer der Kunstflug Weltmeisterschaft 1966 Spanien
- Jak-18 T, (?), nicht flugfähiges Baumuster
- Jak-30, (?), nicht flugfähiges Baumuster
- Jak-50, (?), Testflugzeug
- Jak-52 B (?), Testflugzeug, 202 Flugstunden
- L-29, (?), ehemals in Schukowski
- Stork-2, 1968, 125 Flugstunden

Dieses sind mir bekannte Daten von Flugzeugen/Hubschraubern, in der letzten Zeit sind einige neuere Exemplare hinzugekommen, deren Feinheiten ich hier leider noch nicht darlegen kann.
Wer da helfen kann, melde sich bitte.
Exemplare, die mit einem (?) gekennzeichnet sind, befanden sich in den letzten Jahren nicht mehr in öffentlicher Ausstellung, allerdings sind momentan auch nur 2 (von mind. 5) Hallen zu besichtigen.
Exemplare mit (*) versehen standen 2005 nicht mehr in der öffentlichen Ausstellung.
Man sieht also, in Monino ist ein gesamter Querschnitt der sowjetischen Luftfahrt vertreten.

Es lohnt sich also, hier einen Tag einzuplanen, sofern machbar.

Ein besonderes Highlight stellte sich 2003 in der Rückreise dar. Der von uns gecharterte Bus hatte leider viel weniger Zeit eingeplant als wir, also wurde die Rückreise auf eigene Faust geplant. Nach einem halbstündigen Trip durch das Militärgelände brachte uns ein Sammeltaxi an den Stadtrand von Moskau.Ebenfalls ein Ereignis, das viel Spaß bereitet hat, zu einem Preis, der hierzulande kaum für ein Bier reichen würde!

Fortsetzung 2005 .