Luftfahrtmuseen

1 1/2 Autostunden südöstlich von Phoenix/AZ erreicht man auf dem Interstate 10 die „City of Sunshine", wie Tucson (sprich Tusson) wegen der 350 Sonnentage im Jahr auch genannt wird. Die 500.000 Einwohner zählende Stadt, damit die zweitgrößte Arizonas, ist heute ein bedeutender Standort der High-Tech-Industrie, insbesondere der Luft- und Raumfahrt sowie der Elektronik. Im fruchtbaren, von den Santa Catalina Mountains geschützten Tal des Santa Cruz River genießt die Stadt ein mildes Klima. Jeder wintergeplagte Mitteleuropäer würde sich hier über Januartemperaturen jenseits der 15° C-Marke freuen. Wegen des trockenen Wetters ist das Gebiet um Tucson ein beliebter „Parkplatz" für zur Zeit nicht benötigte Luftfahrzeuge aller Art. Schon bei der Anfahrt aus Richtung Phoenix fallen die aus der Wüste leuchtenden Seitenleitwerke diverser Verkehrsmaschinen ins Auge. Leider befindet sich auf diesem Flugplatz, dem „Pinal Air Park", ein Trainingscenter der National Garde, so dass der geplante Spotterbesuch sehr höflich aber bestimmt an der Wache „abgeschmettert" wird.

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Was bietet nun Tucson dem luftfahrtbegeisterten Reisenden?

Zum ersten natürlich einen internationalen Verkehrsflughafen, wie es sich für eine solche Stadt gehört. In unmittelbarer Nachbarschaft hat es sich die Airforce auf einer ihrer größten Basen heimisch gemacht. Die Base heißt „Davis-Monthan AFB" und es werden hauptsächlich Jagdbomber und Erdkämpfer ausgebildet.

Auf einem Teil des Geländes befindet sich das „Aerospace Maintenance and Regeneration Center". Hier ist die, meines Wissens, größte Anzahl zur Zeit nicht benötigter bzw. ausrangierter Militärflugzeuge der USA abgestellt. Ca. 1.000 Flugzeuge verschiedenster Typen (von abgerüsteten, „zerkloppten" B-52 bis hin zu modernen F-16) stehen sich im Wüstensand die „Beine in den Bauch". Führungen bzw. Bustouren über das Gelände werden angeboten.

Wer ein wenig mehr Zeit mitbringen kann als ich, für den bietet sich die Möglichkeit knapp 40 km südlich von Tucson im „Green Valley" das „Titan Missile Museum", die einzig erhaltene Stellung einer Interkontinentalrakete vom Typ „Titan II" zu besuchen. Diese, eine von 54 stationierten, war zu Zeiten des kalten Krieges Bestandteil des nuklearen Potentials der USA. Zu erleben ist das unterirdische Silo inklusive der Rakete, das Startkontrollzentrum sowie ein simulierter Raketenstart. Geöffnet täglich 09:00 Uhr -17:00 Uhr, Eintritt für Erwachsene $ 8,50.

Das eigentliche Ziel meines Besuches findet man am südöstlichen Ende der „Davis-Monthan AFB, „gleich über die Straße" - es ist das „Pima Air & Space Museum", die weltweit größte private Sammlung dieser Art. (6.000 E. Valencia Rd., Telefon: 520-574-0462, www.pimaair.org , Öffnungszeiten täglich 09:00 Uhr - 17:00 Uhr, letzter Einlass 16:00 Uhr)

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Auf dem weitreichenden Gelände sind ca. 250 Luftfahrzeuge aus knapp 100 Jahren Zivil- und Militärluftfahrt ausgestellt, wobei der Schwerpunkt eindeutig auf „miltär" liegt. So findet man unter „Genaral Aviation" 6 Ausstellungsstücke aufgeführt, während es alleine die Fighter-Ecke der USAF auf locker 25 Exemplare bringt. Bevor wir das Museum betreten können, müssen wir uns erstmal an den vielen Scouts vorbeistehlen und Eintritt (Erwachsene bezahlen $ 9,75). Schon zu spät, einer dieser netten älteren Herren hat uns schon „abgefangen" und bietet seine Dienste an. Da ich nicht unhöflich sein möchte, frage ich ihn trotz Zeitknappheit, ob es denn auch eine MiG-21 in seinem „Garten" gibt. Natürlich gibt es eine, aber keine LSK/LV-Maschine sondern eine ehemalige polnische „PF".

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Wir bekommen dann noch einen DIN-A4-Zettel in die Hand gedrückt, der sich bei genauerem Hinsehen als Lageplan entpuppt und machen uns nun gut ausgerüstet gen Eingang, der sich im Hangar 1 befindet. Hier steht unter anderem ein Nachbau des „Wright Flyers", es gibt eine Ausstellung zum Thema SR-71 „Blackbird", diverse Flugzeug -und Triebwerksmodelle runden das Bild ab. Auf dem Gelände des Museums befinden sich noch mehrere themengebundene Hallen:

Hangar 2: Arizona Aviation Hall of Fame. Triebwerksaustellung.

Hangar 3: Beschäftigt sich mit dem 2. Weltkrieg. Ausgestellt sind u.a. B-24, B-25, C-47, A-26.

Hangar 4:  Auch noch mal 2. Weltkrieg. B-29, C-46, P-63 „King Cobra", F-4U „Corsair", TBM-3 „Avenger", PT-17 „Staerman".

390th Memorial Museum: in Zusammenhang mit der naheliegenden Airbase wird hier die Geschichte der

95th Bomber-Gruppe erzählt. Hauptaustellungstück ist eine B-17 „Flying Fortress"

Space Exploratorium: es wird die Geschichte der X-Planes erzählt, ein Teil der Halle widmet sich den Mondmissionen (u.a. ist ein Stück echtes Mondgestein, mitgebracht von Apollo 16, zu sehen) und hier befindet sich das „Challenger Learning Center".

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Schauen wir uns nun auf den Freiflächen um, fällt sofort der unterschiedliche Zustand der Maschinen auf. Einige sehen aus, als wenn sie gerade erst eine Werft verlassen hätten, bei anderen hat der Zahn der Zeit schon ganz schön genagt. Viele Cockpitverglasungen sind durch undurchsichtiges Plastik ersetzt wurden, da kann man sich ausmalen, wie es im Inneren aussieht. Aber schon durch die Fülle der ausgestellten Flugzeuge und Hubschrauber ist man fast wieder versöhnt.

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Alle ausgestellten Typen hier zu erwähnen ist sicher zuviel, deshalb beschränke ich mich mal auf die, die ich am interessantesten fand.

Das geht natürlich los mit einer gut bestückten Warschauer-Vertrag-Vorstartlinie: die schon erwähnte MiG-21PF, MiG-17F, MiG-17PF, MiG-15UTI, MiG-15 und MiG19PF. 

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Gleich im Anschluss die Bomber-Abteilung: B-58A „Hustler", EB-47 „Stratojet", F-111 „Aardvark", B-57 „Canberra" und alle möglichen Versionen der B-52.

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Charme der 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts 

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Eine riesige Fläche nehmen auch die verschiedenen Transportflugzeuge der USAF ein, viele noch nie gesehen und mit teils kuriosen Namen: C-117D „Skytrain", C-119C „Flying Boxcar" oder T-29 „Flying Classroom".

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