Vermischtes

16 NATO und EU – Staaten planen ein Chartergeschäft der größeren Art



Die militärischen Lufttransportflotten aller westeuropäischen Staaten kämpfen derzeit vor allem mit zwei Problemen: Einerseits ist ein Großteil der Maschinen schon seit langer Zeit im Dienst, sodass oftmals durch aufwendige und teure Maßnahmen, eine Beibehaltung des bisherigen hohen Qualitätsstandards möglich gemacht werden muss. Andererseits stehen in den Lufttransportflotten keine ausreichenden Transportmöglichkeiten für übergroße und überschwere Gerätschaften zur Verfügung, wie sie im Rahmen der neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen notwendig geworden sind. Nur die britische Royal Air Force hat zur Zeit die Möglichkeit auf vier C-17 Transporter zurückzugreifen. Vor drei Jahren beschäftigte sich die NATO auf ihrem Gipfeltreffen in Prag mit den Problemen im strategischen Lufttransport und beschloss Abhilfe zu schaffen (Prague Capabilities Commitment, PCC).


Da der Airbus A400M voraussichtlich erst ab 2012 in entsprechender Anzahl und mit entsprechend ausgebildeten Besatzungen einsatzfähig ist, wurde seitens der NATO nach einer auf sechs bis acht Jahre angelegten Übergangslösung gesucht. In der Größenordung von C – 160 Transall und C – 130 Hercules stehen zwar genügend Maschinen zur Verfügung, jedoch keine, die sich für den Transport übergroßer und überschwerer Lasten eignet.



Daher fehlen Flugzeuge, um vor allem sogenanntes "oversized cargo", wie z.B. schwere Lastwagen, Fernmeldeanlagen oder auch Hubschrauber, im Einsatzfall schnellstmöglich zu transportieren.

Sechs Antonows als Lösung der Probleme

Die Antonow An-124-100, das größte Serien- Transportflugzeug der Welt, könnte mit Lademöglichkeiten von bis zu 120 Tonnen, die nötige Kapazität gewährleisten. Drei Fluglinien sind im Besitz des Riesentransporters, darunter die "Antonow-Airlines" sowie die "Wolga-Dnepr" , die zusammen über 17 Maschinen dieses Typs verfügen.
Deutschland tritt bei der Suche nach einer passenden Übergangslösung als Führungsnation auf. Seit November 2002 existiert in Bonn die Projektarbeitsgruppe SALIS (Strategic Airlift Interim Solution), die derzeit von Oberst i.G. Christian Pyper geleitet wird. Zuständig ist die dem Führungsstab der Luftwaffe unterstellte Arbeitsgruppe für die Betreuung des Projekts und die Wahrung der nationalen Interessen aller beteiligten Staaten. Das Projekt steht jedem NATO und EU Mitglied zum Beitritt offen, da es mittlerweile auf Initiativen beider Organisationen beruht.

Die Projektarbeitsgruppe SALIS

Die Projektarbeitsgruppe (PAG) SALIS koordiniert daher vor allem die Interessen der mittlerweile 16 Staaten, die das entsprechende MoU (Memorandum of Understanding) unterschrieben haben und der Partnerschaft angehören. Dazu zählt neben 15 NATO- Staaten auch Finnland als erstes nicht – NATO – Mitglied. Wie Oberst Pyper erklärte, ist es besonders wichtig, dass die zu charternden Flugzeuge ständig zur Verfügung stehen und somit längere Wartezeiten ausgeschlossen werden können. Sechs Maschinen sollen daher innerhalb von sechs Tagen einsatzfähig sein, davon zwei für Notfälle oder Katastrophen innerhalb von 72 Stunden. Dabei können die Flüge jedoch nicht direkt in Gebiete mit möglicher Bedrohung führen, da die Flugzeuge nicht über militärische Selbstschutzausrüstungen verfügen. Gegebenenfalls erfolgt daher der Weitertransport mit militärischen Mitteln. Zu Beginn der Suche nach einer entsprechenden Lösung, wurde zunächst über eine Nutzung von 12 C–17 Transportern nachgedacht. Da es jedoch keine Möglichkeit gibt, diese reinen Militärtransporter von einer Fluglinie anzumieten, musste diese Variante aus Kostengründen gestrichen werden. Daher setzte sich letzten Endes die An-124-100 Chartervariante durch.

Für die Bundeswehr und alle anderen teilnehmenden Streitkräfte bedeutet das gemeinsame, längerfristig geplante Chartergeschäft neben einer Erhöhung der Einsatzfähigkeit sogar eine Kosteneinsparung gegenüber individuellen Lösungen. (Quellen: Luftwaffe.de, ap, Veröffentlicht März 2005)